Leistung & Wettkampf

Das Älterwerden sportlich nehmen

Wenn Sie Seniorensport vor allem als Leistungssport betreiben, wissen Sie um den Wert des Sports für Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Aber natürlich plagen auch den Sportlichsten irgendwann die unterschiedlichsten Blessuren. Mit den Jahren verringert sich die Leistungsfähigkeit und es dauert länger, bis man sich von sportlichen Belastungen erholt. Das ist ganz normal. Schließlich ist man keine 20 mehr.

Das Älterwerden sportlich zu nehmen ist aber mitunter gar nicht so einfach. Erst recht nicht, wenn man Sport vor allem leistungsorientiert betreibt. Im Vorteil ist, wer gelernt hat, auf die Signale seines Körpers zu achten, denn das schützt vor sportlichen Überforderungen. Gut zu wissen ist auch, wie sich der Körper im Zuge des Älterwerdens verändert. Dann können Gesundheit und Fitness gezielter erhalten werden.

Leistungssport jenseits der 60

»Nur so ein bisschen rumplantschen oder laufen, das machen wir nicht«, sagt Schwimmerin Gerda Fontes, Jahrgang 1944. »Wir betreiben unseren Sport immer noch mit Zielen und nach Trainingsplan, pflichtet ihr Ehemann Roger Fontes bei, Jahrgang 1942, Exprinter und seit einiger Zeit Langläufer.

Kennengelernt haben sich Gerda und Roger Fontes 1961 in der Tanzschule. Die damals 17jährige gehörte zu den Jahrgangsbesten auf ihrer Speziallage 100 m Rücken. Er konnte zwar mit 19 noch nicht schwimmen (»das hat sie mir dann beigebracht«), war aber ein richtig guter 100m-Läufer. Als Kinder Leistungssport treibender Eltern waren beide von klein auf Mitglieder in Sportvereinen. Was auch für den eigenen Nachwuchs gilt, der sich gegen Ende der 60er Jahre einstellte. Der eine Sohn wurde Wettkampfschwimmer wie die Mutter, der andere verlegte sich aufs Wettkampfrudern.

»Ich wiege immer noch soviel wie mit 20«

Roger Fontes hat die 65 längst überschritten, aber tief im Herzen ist er unverändert Leistungssportler. Zwar richtet er seine sportlichen Ziele inzwischen danach aus, was er seinem Körper vernünftigerweise noch zumuten kann. Aber den sportlichen Wettkampf sucht er nach wie vor gerne.

»Bis zu meinem 21. Lebensjahr habe ich richtigen Leistungssport betrieben«, erzählt der 1,69 Mann, der wie damals gerade mal 62 kg auf die Waage bringt. An ihm findet sich kein Gramm Fett. »Doch als die Kinder kamen, haben wir beide mit dem Leistungssport praktisch aufgehört. Zehn Jahre später hatte ich 82 kg drauf und dachte ständig darüber nach, dass ich mal wieder was tun müsste. Allerdings blieb es bei den guten Vorsätzen.«

Eines Tages jedoch, berichtet er, sei er einmal mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, und da sei ihm die hintere Hosennaht geplatzt. »Das war der letzte Schubser, den ich brauchte. Ab sofort galt nur noch FdH. Da habe ich Kohldampf geschoben ohne Ende und neben dem Sprint mit dem Langlauf angefangen.«

Es dauerte nicht lange, da purzelten die Pfunde, und er stieg aufs neue in den Leistungssport ein. »Mit 32 lief ich die 100 Meter wieder in 12 Sekunden, die 200 in 25 Sekunden. Das machte richtig Spaß.« Seitdem hat er in jedem Jahr das Deutsche Sportabzeichen abgelegt, wofür er, wie er nicht ohne Stolz betont, »nicht mal trainieren muss.«

»Irgendwann musst du auf deinen Körper hören«

Als er die 50 überschritt, machten ihm zunehmend Verletzungen zu schaffen. »Wenn du immer Leistungssport gemacht hast, meldet sich dein Körper irgendwann und sagt, dass er das so nicht mehr will. Dann musst du auf ihn hören.« Weil es beim Sprint immer mehr »zwickte und zwackte«, konzentrierte er sich nun ganz auf die Mittel- und Langstrecke – natürlich nicht ohne ehrgeizige Ziele: Die 5000 Meter versucht er heute immer noch unter 24, die 10.000 in 48 Minuten zu laufen.

Zum Training geht er fünf mal zwei Stunden in der Woche: Vier bis fünf Kilometer einlaufen, fünfzehn Minuten Laufschule mit Skippings, Dribblings, Kniehebeläufen, Anfersen und Wechselsprüngen für die Koordination. Dann 30 Minuten lang Sprints mit Gehpausen oder Pyramidenlaufen, danach zehn bis 15 Minuten Gymnastik, noch einen Kilometer auslaufen, »anschließend duschen und ein, zwei Bierchen trinken.« Im hauseigenen Fitnesskeller betreibt er außerdem drei bis vier Mal in der Woche Krafttraining.

Vor ein paar Jahren noch sei er auf beiden Laufstrecken um einige Minuten schneller gewesen. Aber das war vor seiner Knie-OP, die wegen Knorpelschäden nötig geworden war. »Außerdem hat man bei mir eine Herzklappenverkalkung festgestellt, die wahrscheinlich auf eine verschleppte Erkältung zurückgeht.«

Freimütig gibt er zu, dass ihn eine Erkältung früher nicht vom Training abhalten konnte. »Da galt das Motto: ‚Nur die Harten kommen in den Garten’. Inzwischen bin ich zwar nicht unbedingt vernünftiger, aber doch einsichtiger geworden«, sagt er mit einem Augenzwinkern. »Eine Erkrankung kuriere ich jetzt vollständig aus, dann baue ich das Training langsam wieder auf. Außerdem gehe ich jedes Jahr zum Gesundheits-Check.«

»Schwimmen erfüllt mich«

Auch Roger Fontes Frau Gerda hat mit Anfang 30 den Leistungssport wieder aufgenommen. »Das ging damals natürlich nur, weil ich meine beiden Jungs ebenfalls fürs Schwimmen begeistern konnte und wir zusammen zum Schwimmtraining gegangen sind.«

1985 wurde sie bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften noch Fünfte in 200 Meter Lagen, danach habe sie ihren Ehrgeiz ein wenig gedrosselt. »Ich trainiere nur noch zwei Mal pro Woche eine Stunde in meiner Gruppe. Außerdem gehe ich regelmäßig laufen, wobei mich da die Zeiten nicht interessieren. Das mache ich nur für die Grundfitness. Und ab und zu steige ich auf den Heimtrainer.«

»Die Gemeinschaft gibt mir viel«

Das Schwimmtraining folge einem klaren Trainingsplan, betont sie, mit einschwimmen, Zwischensprints und Bahnen ziehen in allen Lagen mit insgesamt 1000 bis 1200 Metern. »Nach einer Stunde auf dem Heimtrainer bin ich immer völlig kaputt, nach dem Schwimmen aber fühle ich mich jedes Mal richtig erfüllt. Das gibt mir Kraft und macht Spaß, zumal wir uns in der Trainingsgruppe schon so lange kennen und hinterher fast immer noch ein paar Bierchen trinken gehen. Die Gemeinschaft gibt mir viel.«

Wenn sie eine Woche einmal nicht trainieren könne (was selten vorkommt), habe sie schnell ein schlechtes Gewissen. »Natürlich will ich auch nicht zunehmen, aber ich fühle mich auch unabhängig davon schnell unwohl. Wir sind ja schon unser Leben lang ständig in Bewegung.«

Sie trainieren unabhängig voneinander, sagt sie. »Das machen wir beiden so, wie wir es brauchen. Aber wir haben natürlich auch Anteil am Sport des Anderen und begleiten uns gegenseitig zu Sportfesten.«

Beide waren in ihren jeweiligen Vereinen lange Zeit ehrenamtlich engagiert. Roger Fontes trainierte bis vor kurzem noch Jugendliche und Senioren in Sachen Leichtathletik und hält sich immer noch durch Fachzeitschriften auf den neuesten Stand der Trainingslehre. Gerda Fontes war viele Jahre Geschäftsführerin ihres Vereins.

Ein Lauferlebnis der besonderen Art

Auf ein Erlebnis seines späten Sportlerlebens wird Roger Fontes häufig angesprochen.

»Da stand ich mit der Nachbarin in Badelatschen auf dem Gehweg vor unserem Haus und sehe plötzlich, wie ein junger Mann mit meiner Kettensäge, die im Keller gestanden hatte, aus der Haustür kommt und sich auf mein Fahrrad schwingt. Ich schnippe die Latschen von den Füßen und renne barfuß hinter ihm her. Da gab der Kerl natürlich Gas. Ich bin trotzdem hinterher, und das ging mindestens fünf, sechs Kilometer kreuz und quer durchs ganze Viertel. Einen Tag zuvor hatte ich noch einen Gesundheits-Check gemacht und trug deshalb den Messgürtel für ein Langzeit-EKG um die Brust. Das muss ziemlich lustig ausgesehen haben. Der Kerl entwischte mir zwar immer wieder, aber er wurde mich auch nicht los.«

Zwar sei ihm irgendwann doch die Puste ausgegangen, trotzdem hatte sich der Dieb mit Roger Fontes das falsche Opfer ausgesucht. Erschöpft bat er einen Autofahrer um Hilfe, der den Dieb schnell überholte, so dass Roger Fontes den verdutzten jungen Mann endlich stellen konnte.

»Mir haben ganz schön die Fußsohlen gebrannt«, sagt er und lacht. »Nach einer Standpauke habe ich den Burschen laufen lassen und bin mit meiner Kettensäge nach Hause geradelt.«

... Professor Wilhelm Bloch, Jahrgang 1959, ist seit 2004 Leiter der Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin am Kölner Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Der Mediziner beschäftigt sich vor allem mit sportmedizinischer Grundlagenforschung. Neben dem zentralen Themengebiet Sport und Herzkreislaufsystem arbeitet das Institut vor allem zum Metabolischen Syndrom, zu Tumorerkrankungen und Sport und zur Steuerung der Muskelentwicklung.
... Professor Wilhelm Bloch, Jahrgang 1959, ist seit 2004 Leiter der Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin am Kölner Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin. Der Mediziner beschäftigt sich vor allem mit sportmedizinischer Grundlagenforschung. Neben dem zentralen Themengebiet Sport und Herzkreislaufsystem arbeitet das Institut vor allem zum Metabolischen Syndrom, zu Tumorerkrankungen und Sport und zur Steuerung der Muskelentwicklung.

Ein Gespräch mit dem Sportmediziner Prof. Wilhelm Bloch

Gibt es eine Belastungsgrenze, ab der Sport nicht mehr gesund ist?
Seniorenleistungssport, bei dem vor allem Leistung und Wettkampf im Mittelpunkt stehen, ist im Allgemeinen kein Gesundheitssport. Verschiedene Studien zeigen, dass ein zusätzlicher Kalorienverbrauch durch Ausdauersport von bis zu 4000 Kalorien pro Woche den Blutgefäßen und dem Herzen zugute kommt. Gehe ich darüber hinaus, steigt dagegen das Risiko wieder, eine Herz-Kreislauferkrankung zu erleiden.
Mit anderen Worten: Verbrauche ich mehr als 4000 Kalorien pro Woche durch Sport, dient das im Prinzip nicht mehr meiner Gesundheit. Da beginnt häufig der Raubbau am Körper.

Wie wichtig sind Erholungsphasen für ältere Sportaktive?
Im Körper werden durch jedes Training Zellen abgebaut, die in der Erholungsphase wieder ersetzt werden. Das ist gut, denn dadurch erneuert sich der Körper beständig. Das heißt aber auch: Je höher die körperliche Belastung, desto länger muss ich regenerieren. Und das ist umso wichtiger, je älter ich werde, denn die Umbauprozesse des Körpers gehen im Alter deutlich langsamer vonstatten als in jungen Jahren.

Ist die Teilnahme an Marathonläufen Älteren überhaupt zu empfehlen?
Wenn man vernünftig trainiert und sich gut vorbereitet, ist der Marathon durchaus eine Strecke, die auch Ältere ohne nachhaltige Schädigungen bewältigen können. Der Körper braucht allerdings Wochen bis Monate, bis er sich von einer solchen Hochbelastung erholt hat.

Viele wissen nicht, dass ein Marathon durch die permanenten Stöße oft zu Mikrofrakturen der Bein- und Fußknochen führt. Je nach dem, wie ausgeprägt diese Knochenrisse sind, lassen sie sich noch bis zu vier Monaten nach einem Lauf feststellen. Hat mein Körper genügend Zeit sich zu erholen, baut er an den Frakturstellen den Knochen wieder schön auf und ist in seiner Struktur unter Umständen sogar stabiler als vorher.

Und wenn ich zu früh wieder in ein strammes Lauftraining einsteige?
Belaste ich meinen Körper zu früh, kann das zu einem Ermüdungsbruch führen. Der Grund: Wenn er zu wenig Zeit zur Erholung hat, verwendet er zur Reparatur der Frakturen zwar schnell zur Verfügung stehendes, aber minderwertigeres Material.

Das Gleiche gilt für die Muskulatur und die Sehnen, beispielsweise für die Achillessehne, die bei älteren Läufern durch Überlastung schnell reißen kann. Bei nicht ausreichender Erholungszeit werden die Muskeln und Sehnen in ihrer Struktur immer instabiler, bis es irgendwann zu einem Faser- oder Sehnenriss kommt.

Rächt sich übertriebener Ehrgeiz bei Ältern schneller als bei Jüngeren?
Übertriebener Ehrgeiz birgt immer die Gefahr, auch dann (zuviel) zu trainieren, wenn mein Körper nicht völlig in Ordnung ist. Das gilt sowohl für Jüngere als auch für Ältere. Bei einer Erkältung zum Beispiel ein normales Training durchzuführen ist gefährlich. Dadurch kann es zu einer Herzmuskelentzündung kommen, die im schlimmsten Fall mit einem plötzlichen Herztod endet oder zu einer bleibenden Herzschwäche führt. Für Ältere ist die Gefahr sogar noch größer, weil das Herz häufig schon eine unbemerkte Vorschädigung hat. 

Jahr für Jahr legen knapp 1 Mio sportbegeisterte Frauen und Männer die traditionsreiche Prüfung Deutsches Sportabzeichen ab. Einfach weil es Spaß macht, die eigene Leistung zu messen und mit Gleichgesinnten gleichen Alters in sportlichen Wettbewerb zu treten. Viele tun dies zum ersten Mal in ihrem Leben und bereiten sich gründlich darauf vor. Andere gehören längst zu den „alten Hasen“ und freuen sich bei jedem Mal darauf, ihre Resultate mit den Ergebnissen der Vorjahre zu vergleichen.

Im Sinne des Deutschen Sportabzeichens kommt es dabei weniger auf Spitzenleistungen an. Wichtiger ist eine gute Vorbereitung, die – besonders in der Gruppe – Spaß macht und der Gesundheit dienen soll. Das Deutsche Sportabzeichen können Erwachsene ohne Altersbeschränkung jedes Jahr ablegen und kostet nur eine geringe Verwaltungsgebühr.

Die Anforderungen

Um das Deutsche Sportabzeichen zu erhalten, müssen Sie aus den Bereichen „allgemeine Schwimmfähigkeit“, „Sprungkraft“, „Schnelligkeit“, „Schnellkraft“ und „Ausdauer“ insgesamt fünf Disziplinen auswählen. Infrage kommen alle möglichen Disziplinen, nicht nur aus den klassischen Bereichen Schwimmen, Leichtathletik und Geräteturnen. Rudern, Eislaufen, Inline-Skaten, Wandern, Walken, Radfahren und Anderes gehören auch dazu. Die Anforderungen sind abgestimmt auf das Geschlecht und Alter der Sportlerinnen und Sportler.

Vorbereitung

Fragen Sie einen Sportverein in Ihrer Nähe oder wenden Sie sich an das Sportamt Ihrer Gemeinde: Dort erfahren Sie, wo das Deutsche Sportabzeichen erworben werden kann und wo Sie in Ihrer Nähe einen der mehr als 3000 Sportabzeichen-Treffs finden.

Bei einem Sportabzeichen-Treff stehen Ihnen alle erforderlichen Einrichtungen und Geräte zum Üben zur Verfügung. Hier können Sie sich in Ihrer Altersgruppe unter fachlicher Anleitung optimal auf die Prüfung vorbereiten.

Wenn Sie nicht austrainiert sind, sollten Sie sich mit der Vorbereitung ein gutes halbes Jahr Zeit lassen. Sind Sie älter als 40 Jahre, empfiehlt sich zudem ein ärztlicher Gesundheits-Check, bevor Sie mit dem Training beginnen.Weitere Informationen finden Sie unter www.deutsches-sportabzeichen.de. Dort können Sie sich auch Ihr persönliches Anforderungsprofil erstellen oder sich einen Sportabzeichen-Treff in Ihrer Nähe nennen lassen.

Link: Deutsches Sportabzeichen

Gute Lauf- und Walkingschuhe, Sportkleidung, Sportgetränke, Pulsmesser und andere Hilfsmittel müssen nicht viel Geld kosten. Sie sollten aber bestimmte Qualitätskriterien erfüllen.

Es ist nicht leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Alle versprechen immer das Beste, auch wenn man sich manchmal dem Eindruck nicht erwehren kann, selbst (vermeintliche) Fachverkäufer beten lediglich die von den Firmen mitgelieferten Produktinformationen herunter. Die teuerste Sportausrüstung kann sich bei genauem Hinsehen daher trotz bekannter Markennamen als Fehlgriff erweisen.

Bevor man sich in Unkosten oder auf das Sonderangebot aus der nächsten Aktion des Discounters stürzt, ist es ratsam, im Internet nach unabhängigen Testergebnissen zu suchen. Etwa bei der „Stiftung Warentest“ oder bei „Ökotest“. Dort findet man auch eine Reihe, oft noch aktueller Tests aus den vergangenen Jahren. Oder man lässt sich in einem ausgewiesenen Fachgeschäft beraten. Die lassen sich im Allgemeinen daran erkennen, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer sich zunächst einmal für die individuellen Belange ihrer Kunden interessieren und auf Detailfragen verständlich antworten.

Schlechte oder nicht passgenaue Schuhe können zu schmerzenden Achillessehnen, Knieproblemen und auch Rückenschmerzen führen.

Schuhe

Schlechte oder nicht passgenaue Schuhe können zu schmerzenden Achillessehnen, Knieproblemen und auch Rückenschmerzen führen. Eine unzureichende oder abgenutzte Dämpfung belastet die Gelenke.

Ein guter Schuh dämpft den Aufprall des Fußes bei jedem Schritt und Sprung und muss daher sowohl dem vorwiegenden Laufuntergrund als auch dem Körpergewicht angemessen sein. Das gilt auch für die Flexibilität der Sohle. Zudem sollte das Fußgelenk an beiden Seiten gestützt werden. Sitzt der Schuh richtig, hat man das Gefühl, ohne Mühe besonders gerade laufen zu können.

In einem guten Fachgeschäft wird man Schuhe immer erst anprobieren und die Laufeigenschaften vor Ort beurteilen lassen. Meist tut es der herabgesetzte Qualitätsschuh von der vergangenen Saison ebenso gut wie das neueste Modell. Schließlich wird der Sportschuh nicht jedes Jahr neu erfunden.

Aber: Dämpfen, Stützen und Führen ist nicht alles, was beim Schuh bedacht werden will. Neuere Studien legen nahe, in Zukunft mehr auf die individuellen Bewegungsmuster der Sporttreibenden zu achten. Der Trend geht dahin, die Dämpfung auf das sportartspezifische Maß zu beschränken und die Bewegung der Füße und die natürlich auftretenden Kräfte möglichst wenig zu beeinflussen.

Sportkleidung

Bei schweißtreibenden Sportarten empfiehlt sich Sportkleidung aus so genannten Funktionsmaterialien wie Polyamid und Polyester. Beide Stoffe befördern den Schweiß schnell von der Haut weg und trocknen sehr schnell. Gut also vor allem für den Sport draußen.

Wenn in kühlen Jahreszeiten mehrere Schichten übereinander getragen werden, sollten alle Materialien atmungsaktiv und schweißleitend sein. Ansonsten kommt es zum Feuchtigkeitsstau. Gute Verarbeitungsqualität ist meist an doppelt eingefassten und trotzdem besonders flachen Nähten zu erkennen, die das Wundscheuern verhindern.

Funktionskleidung sollte übrigens nicht mit Weichspüler und bei maximal 40 Grad gewaschen werden.Mit ein wenig Übung lässt sich der Puls gut mit der Hand messen. Bequemer sind aber Pulsmesser.

Pulsmesser

Mit ein wenig Übung lässt sich der Puls gut an der Verlängerung des Daumens zum Handgelenk hin messen. Dabei werden die Schläge innerhalb von 15 Sekunden gezählt und mit Vier malgenommen.

Bequemer ist natürlich ein Pulsmesser. Er besteht aus einem Brustgurt zur Ermittlung der Herzfrequenz und einem Uhrempfänger am Handgelenk. Dafür kann man zusammen gut mehr als 150 Euro ausgeben. Ein Pulsmesser für 30 Euro tut es meist aber ebenso gut.

Wichtig ist, dass der Brustgurt auch beim Ausatmen noch mit leichter Spannung auf der Haut aufliegt.Gute Stöcke müssen nicht teuer sein.

Nordic Walking Stöcke

Auch gute Stöcke müssen nicht teuer sein. Teleskopstöcke sind meist nicht nötig, wenn man sich an die Regel „Stocklänge = zwei Drittel der Körperlänge“ hält. Die Schlaufen sollten am Handgelenk fest anliegen. Deshalb sind abnehmbare Schlaufen zu empfehlen, damit man sich nicht mühsam aus den Schlaufen herauswinden muss, wenn man zwischendurch mal beide Hände braucht.

Sportdrinks und Snacks

Mit speziellen Sportlerdrinks und Riegeln wird eine Menge Geld verdient. Für den Sport im Freizeit- und Gesundheitsbereich sind sie jedoch vollkommen überflüssig. Mit Fruchtsäften, die mit natriumreichem Mineralwasser verdünnt werden, ist man immer bestens versorgt. (Link zu...)

Wer weniger als eine Stunde am Stück Sport treibt, braucht in der Regel zwischendurch nichts zu trinken. Und auch nichts zu essen. Wen trotzdem einmal ein kleiner Hungerast ereilen sollte, sollte dann auf Riegel zurückzugreifen, die viermal mehr Kohlenhydrate als Fett enthalten.

Copyright Andrea Bowinkelmann, LSB NRW
Copyright Andrea Bowinkelmann, LSB NRW

Höhere Verletzungsgefahr im Alter?

Mit dem Alter will der Körper häufiger nicht mehr wie er soll. Dennoch kommt es bei älteren Sporttreibenden eher selten zu Verletzungen. Das liegt vor allem an der Besonnenheit des Alters.

Natürlich: Die Kraft lässt nach, weil der Körper jenseits der 50 beständig Muskulatur abbaut und sie durch Fettzellen ersetzt. Man ermüdet schneller, wird träger und langsamer, was unter anderem zur Folge hat, dass Bänder und Sehnen die Knochen weniger positiv beanspruchen. Dies trägt dazu bei, dass sich langfristig die Knochendichte und damit die Knochenstabilität vermindern.

Und damit nicht genug: Die Knorpelschichten der Gelenke verknöchern, die Bandscheiben werden spröde, die Muskeln werden leichter gezerrt. Kommen Bewegungsmangel und Übergewicht hinzu, treten vermehrt schmerzhafte Verschleißerscheinungen wie Arthrosen auf.

Das alles klingt nicht gerade nach günstigen Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten, die dem Erhalt der Gesundheit dienen sollen. Doch ist der Seniorensport mitnichten besonders verletzungsträchtig. Im Gegenteil.

Stolpern und Stürzen

Eine repräsentative Studie an der Universität Heidelberg kam nach einer Auswertung des „Bundes-Gesundheitssurvey 1998“ zu folgenden Ergebnissen:

  • Sportverletzungen sind nach Unfällen im Haushalt, am Arbeitsplatz und auf dem Weg dorthin die dritthäufigste Verletzungsursache.
  • Rund 3 Prozent aller in die Untersuchung einbezogenen Männer und Frauen hatten in den vergangenen zwölf Monaten eine Sportverletzung erlitten. In der Gruppe, die mindestens eine Stunde Sport pro Woche ausübte, erhöhte sich die Zahl der Sportverletzten sogar auf rund 6,5 Prozent.
  • Gut zwei Drittel der Sportverletzungen entfielen auf Verrenkungen, Verstauchungen und Bänderdehnungen bzw. Bänderrisse – gefolgt von Knochenbrüchen (ca. 19 Prozent) und äußeren Wunden (ca. 13 %).
  • Etwa 80 Prozent der Sportverletzungen waren die Folge eines Stolperns oder Sturzes.
  • Männer waren von Sportverletzungen rund dreimal häufiger betroffen als Frauen. Als besondere „Risikogruppe“ für Sportverletzungen erwies sich die Gruppe der Männer unter 30 Jahren.
  • Und es zeigte sich, dass die Häufigkeit von Sportverletzungen mit dem Alter kontinuierlich abnahm. Von den sportlich aktiven Männern unter 30 Jahren waren rund 9 Prozent von Sportverletzungen betroffen, von den über 60jährigen nur 1,5 Prozent.

Diese Tendenz bleibt bestätigt sich übrigens auch dann, wenn berücksichtigt wird, dass Ältere weniger Sport betreiben als Jüngere. Das heißt: Ältere Sportaktiven verletzen sich nicht nur absolut, sondern auch relativ weniger häufig. (Quelle: Berenike Seither: Sportverletzungen in Deutschland. Eine repräsentative Studie zu Epidemiologie und Risikofaktoren. Dissertation 2008).

Nachlassende Reflexe

Die Gründe für die verhältnismäßig geringe Häufigkeit von Sportverletzungen bei Älteren liegen auf der Hand. Ältere Sportaktive bevorzugen eher ruhigere Sportarten mit weniger Körperkontakt zu Mitspielern, sie kennen ihren Körper besser und gönnen ihm bei Bedarf mehr Schonung. Außerdem bewegen sie sich insgesamt langsamer und besonnener.

Ältere Menschen tun dies meist ganz intuitiv. Nicht nur die Maximalkraft nimmt mit der Zeit ab. Nach dem 65. Lebensjahr vermindert sich mit jährlich ein bis zwei Prozent auch und etwa doppelt so stark die so genannte Schnellkraft. Und erst die Schnellkraft befähigt den Körper zu reflexartigen Bewegungen, mit denen er, kommt er ins Stolpern, einen Sturz vielleicht noch vermeiden kann. (Quelle: Granacher und Gollhofer: Auswirkungen des Alterns auf die Schnellkraftfähigkeit und das Reflexverhalten. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 3/2005)

Was im hohen Alter tatsächlich zu mehr Sturzunfällen führt, gemahnt in den Jahren zuvor schon zu mehr Vorsicht. Mit ausreichender Bewegung, bei der auch die Koordinationsfähigkeit trainiert wird, bleiben dann auch im fortgeschrittenen Alter die notwendigen Reflexe weitgehend erhalten.

Weniger Sport, weniger Verletzungen?

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass wer wenig oder keinen Sport treibt, auch weniger oder keine Sportverletzungen erleidet. Legt man jedoch das im Alter ansteigende Verletzungsrisiko durch Stürze im Haushalt zugrunde – da ist sich die Fachwelt einig – stärkt und schützt sportliche Bewegung den Körper insgesamt mehr, als dass ihn mögliche Sportverletzungen gefährden.

Immer vorausgesetzt natürlich, die Besonnenheit des Alters obsiegt über die alte (männliche) Rekordlust.

Gehirn und Gedächtnis

Mit unserem Gehirn ist es wie mit einem Muskel: Gut trainiert bleibt beides bis ins hohe Alter leistungsfähig. Leichtes körperliches Training hält dabei nicht nur Ihre Muskeln in Schwung. Es verbessert auch nachweislich die geistige Leistungsfähigkeit.

Mit dem Älterwerden setzt keineswegs automatisch eine "Verkalkung" des Gehirns ein. Zwar können sich die Hirngefäße mit fortschreitendem Lebensalter verändern, sich zum Beispiel durch Ablagerungen verengen und in ihrer Elastizität nachlassen. Es werden auch weniger Übertragungsstoffe produziert. Dadurch wird die Informationsübertragung im Gehirn langsamer.

Entscheidender als das Lebensalter und die damit verbundenen körperlichen Veränderungen ist jedoch „Trainingszustand“ des Gehirns. Er bestimmt, ob die Denkfähigkeit und das Gedächtnis nachlassen, auf gleichem Niveau wie in jüngeren Jahren erhalten bleiben oder sogar wieder besser werden.

Flüssige und kristallisierte Intelligenz

Fast jeder, der die 50 überschritten hat, kennt Probleme mit dem Gedächtnis. Es fällt nicht nur schwerer als früher, sich an Namen, Telefonnummern oder Geheimzahlen von Kreditkarten zu erinnern. Typisch sind auch kleine Alltagstücken: Man findet einen verlegten Gegenstand einfach nicht wieder. Oder man vergisst, was man im Supermarkt alles einkaufen wollte, woran man gerade gedacht hatte, bevor man unterbrochen wurde, oder was man aus der Küche kommend im Schlafzimmer zu suchen hat.

Die Forschung unterscheidet zwischen "flüssiger" und "kristallisierter" Intelligenz. Mit der "flüssigen" Intelligenz orientieren wir uns in neuen Situationen, sind geistig wendig und kombinationsfähig. Die "kristallisierte" Intelligenz ist dagegen vor allem für die Abrufbarkeit von Lebenserfahrung und die Sicherheit im sprachlichen Ausdruck zuständig.

Das Besondere am Älterwerden (das schließlich ab der Geburt beginnt) besteht darin, dass die kristallisierte Intelligenz zunimmt, während die flüssige etwas zurück geht. Deshalb benötigt das Gehirn im Alter für bestimmte Denkvorgänge etwas mehr Zeit.
Auch das Kurzzeitgedächtnis lässt nach – wenn es nicht vermehrt trainiert wird. Etwas Neues zu lernen (etwa eine Fremdsprache oder eine komplizierte Sportart) ist deshalb zwar noch gut möglich. Es dauert aber ein bisschen länger.

Was wir unter "frühzeitiger Verkalkung" kennen, ist fast immer die Folge einer geistigen Unterforderung. Wer körperlich und geistig aktiv bleibt, wird aller Voraussicht nach weder mit seiner Kondition, noch mit seiner Denkfähigkeit Probleme bekommen.

Bewegung fürs Gehirn

Eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung ist die beste Voraussetzung für geistige Leistungsfähigkeit. Der Grund: Beide Extreme sind schlecht für das Denken. Nicht nur bei Stress und Überforderung fällt das Denken schwer, sondern auch bei Langeweile und Unterforderung. Effektives Nachdenken setzt eine gewisse „Betriebstemperatur“ voraus.

Ein normaler Spaziergang erhöht die Durchblutung des Gehirns bereits um fast 15 Prozent. Mehr körperliche Belastung lässt die Hirndurchblutung nur noch unwesentlich ansteigen. Leichtes körperliches Training reicht also aus, um auch geistig beweglich zu bleiben.

Versuchspersonen, die im Rahmen einer Studie auf einem Fahrradtrainer gleichzeitig einen Computer bedienten, konnten die an einem Bildschirm angezeigten Aufgaben erfolgreicher als ohne begleitendes körperliches Training bewältigen. Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses stieg im Vergleich zum Ruhezustand um 20 Prozent.

Anders als körperliche Ruhe führt Bewegung im Gehirn zu einer vermehrten Bildung der so genannten Synapsen, den Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen. Damit kann ein Mensch im wahrsten Sinn des Wortes „schneller schalten“.

Sport schult die körperlichen und geistigen Fähigkeiten zur schnellen Koordination und Reaktion. Sich mit den Regeln einer Sportart und seinen sportlichen Mitstreitern auseinander zu setzen, fördert die geistige Frische ebenso wie die soziale Kompetenz.

Gehirntraining im Alltag

Mit speziellen Übungen können Sie Ihr Gehirn gezielt trainieren. Gleichwohl ist es wichtig, Ihre grauen Zellen auch bei all den vielen kleinen alltäglichen Routinen in Gang zu halten.

  • Lassen Sie beim Einkaufen mal Ihren Einkaufszettel in der Tasche und überprüfen Sie erst am Ende, ob Sie an alles gedacht haben.
  • Gehen Sie, bevor Sie Ihre Wohnung verlassen, alle anstehenden Verrichtungen im Geiste durch. Das trainiert Ihr Gedächtnis.
  • Rechnen Sie im Restaurant vor dem Bezahlen die Rechnung mal im Kopf zusammen.

Möglichkeiten gibt es viele. Der Gehirnstrom eines Menschen, der sich vom Fernseher berieseln lässt, gleicht dem einer Schlafkurve.

Deshalb gilt auch für das Gehirn: Wer rastet, der rostet. Oder mit anderen Worten: Use it or loose it.

Ein Gespräch mit dem Sportwissenschaftler Prof. Wilhelm Schänzer

In den vergangenen Jahren gab es vereinzelte Hinweise, dass auch im Seniorensport gedopt wird. Genaue Angaben über das Ausmaß sind bislang jedoch nicht möglich, da bei den Senioren nur sehr selten getestet wird. Die Hinweise deuteten jedoch nicht nur auf mögliche Dopingvergehen hin, sondern auch auf die im Seniorensport besonders große Gefahr des unbeabsichtigten Dopings. Der Hintergrund: Ab einem gewissen Alter müssen vermehrt Medikamente eingenommen werden, die gleichwohl auf der Dopingliste stehen. Aus diesem Grund haben wir ein Gespräch mit Prof. Dr. Wilhelm Schänzer geführt. 

Herr Professor Schänzer, wird in der „Anti-Doping“-Landschaft über das Thema Doping im Seniorenwettkampfsport gesprochen?

Darüber wird seit langem diskutiert. Es hat in den letzten Jahren bei vereinzelten Kontrollen immer wieder positive Befunde gegeben, insbesondere mit anabolen Steroidhormonen. Der Schwerpunkt der Dopingkontrollen liegt aber im geförderten Spitzensport und nicht im Seniorensport, wo es auch nur gelegentliche Wettkampfkontrollen gibt. Kontrollen außerhalb des Wettkampfes werden nur bei Kaderathleten vorgenommen.

Wie schätzen Sie den Missbrauch von Testosteronpräparaten hinsichtlich der Gefahr ein, ein ‚schlafendes’ Prostatakarzinom bei Männern jenseits der 50 zu wecken?

Testosteron ist anaboles Steroid (und das wichtigste männliche Sexualhormon), dessen Produktion beim Mann mit zunehmenden Alter abnimmt. Zur Leistungsoptimierung ist es ein sehr effektives Dopingmittel und damit auch für einen männlichen Seniorensportler höchst „interessant“. Hinsichtlich eines Prostatakarzinoms geht man zurzeit davon aus, dass Testosteron die Entwicklung einer derartigen Krebserkrankung fördert, da die Prostatakrebszellen spezielle Rezeptoren haben, die Testosteron binden und das Wachstums positiv beeinflussen können.

Können Dopingsubstanzen die Wechseljahre einer älteren Sportlerin beeinflussen?

Daten hierzu sind mir nicht bekannt. Man muss aber prinzipiell davon ausgehen, dass zum Beispiel verbotene Steroidhormone das Hormonsystem bei Frauen extrem beeinflussen können und erhebliche Nebenwirkungen haben. Es ist ja nicht so, dass bei Frauen, wenn sie in die Wechseljahre kommen, das Hormonsystem abgeschaltet wird.

Nahrungsergänzungsmittel wie Carnitin, Kreatin, BCAA oder ß-HMB sollen Sportlern helfen, länger zu trainieren, ohne frühzeitig zu ermüden. Sie sind leicht zu bekommen.

Die Frage ist, ob ein Sportler überhaupt solche Nahrungsergänzungsmittel benötigt. In der Regel werden diese Substanzen mit positiven Effekten beworben, die aber mit Ausnahme von Kreatin durch keine seriösen Studien belegt worden sind. Durch eine ausgewogene Ernährung werden die genannten Stoffe in der Regel ausreichend aufgenommen bzw. durch die körpereigene Produktion bereitgestellt.

Welche Effekte hat Kreatin?

Kreatin selbst hat keinen Effekt. Es wird in der Muskelzelle zu Kreatinphosphat aktiviert, das dann ein wichtiger Energiespeicher ist. Die Formel klingt sehr einfach: Je mehr Kreatinphosphat in der Muskelzelle ist, umso länger kann eine anaerobe Leistung (kurzfristige Belastung ohne Sauerstoff) erbracht werden. Allerdings geht man zurzeit davon aus, dass eine Kreatinzufuhr nur dann Sinn macht, wenn die Kreatinspeicher nicht optimal „gefüllt“ sind, denn nur dann würde zusätzliches Kreatin in Kreatinphosphat umgewandelt. Damit lässt sich auch erklären, warum Kreatin nicht bei allen Studien zu deutlichen Leistungsverbesserungen geführt hat, und warum es Menschen gibt, bei denen Kreatin keine Wirkung zeigt.

Was passiert bei einer Überdosierung, also bei einer Anreicherung im Körper über das normale biologische  Maß hinaus?

Grundsätzlich werden über 98 Prozent des zugeführten Kreatins wieder über die Niere ausgeschieden. Inwieweit es individuell zu einer Anreicherung über das normale biologische Maß kommen kann und welche Folgen damit verbunden sind, ist nicht ausreichend untersucht.

Bergen Stoffe, mit denen die Trainingsleistung erhöht werden soll, für Aktive jenseits der 50 besondere Überlastungsgefahren, etwa für das Herz-Kreislaufsystem?

Für Kreatin gilt sicherlich eine Abwägung. Gesundheitliche Schäden sind durch Studien bisher nicht belegt. Allerdings ist bekannt, dass hohe Dosen zu Muskelverhärtungen und Krämpfen führen können. Eine Altersabhängigkeit von Nebenwirkungen von Dopingmitteln ist bisher wissenschaftlich nicht untersucht. Grundsätzlich ist aber ein älterer Mensch eher krankheitsanfällig als ein junger Mensch. Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Arteriosklerose und Alterdiabetes treten im Alter gehäuft auf, und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen ernsthaft bedacht werden.

Welche Medikamentengruppen, die Menschen jenseits der 50 gehäuft einnehmen müssen, können zu einem unabsichtlichen Dopingvergehen führen?

Bei Kontrollen im Seniorensport sind unter anderem positive Befunde mit Diuretika und Beta-Blocker bekannt geworden. Diuretika fördern die Flüssigkeitsausscheidung und werden etwa bei einer Herzschwäche eingesetzt – können aber auch helfen, die Einnahme verbotener Substanzen zu verschleiern. Beta-Blocker können gegen Bluthochdruck verschrieben werden und haben eine beruhigende Wirkung. Hier kann es sehr leicht zu unbeabsichtigten Dopingverstößen kommen, da solche Medikament im Alter weitaus häufiger therapeutisch eingesetzt werden als bei jungen Sportlern.

Wo kann man sich darüber informieren?

Zum Beispiel bei der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA). Die NADA bietet auf ihrer Webseite eine umfangreiche Datenbank an, wo man den Dopingstatus jedes Medikamentes abfragen kann. Die Datenbank findet sich unter http://www.nada-bonn.de/nadamed/ . Gibt man beispielsweise den Namen eines üblichen Diuretikums, etwa Lasix ein, erfährt man den Status „Verboten für den Wettkampf und auch für die Phase außerhalb des Wettkampfes“.

Sind in bestimmten Fällen Ausnahmegenehmigungen möglich?

Bei bestimmten Krankheitsbildern sind Ausnahmegenehmigungen für verbotene Substanzen möglich. Der Bedarf muss aber medizinisch gut belegt und ausführlich begründet sein. Ausnahmegenehmigungen können für Wettkampfsportler bei der NADA oder – für international startende Sportler – beim jeweiligen internationalen Fachverband beantragt werden. Für den Gebrauch von Corticosteroiden und Beta-2-Agonisten gelten für Nicht-Spitzensportler teilweise vereinfachte Regelungen, die auf der Homepage der NADA ausführlich erklärt werden.

Würden Sie es begrüßen, wenn auch bei Seniorenmeisterschaften verstärkt Dopingkontrollen durchgeführt würden?

Aus meiner Sicht sollte auch im Seniorenwettkampfsport kontrolliert werden. Die Kontrollen müssten so angesetzt werden, dass sie eine hohe Abschreckung erreichen. Das gelingt durch Nichtankündigung von Kontrollen, aber auch durch eine Erhöhung der Kontrollzahlen.

Nahrungsergänzungsmittel sollen die Ernährung dort optimieren, wo aus unterschiedlichen Gründen eine Mangelversorgung an Vitaminen, Mineralien, Enzymen oder Eiweiß entstanden ist. Ob sie auch die sportliche Leistung fördern, ist dagegen zweifelhaft.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass eine vollwertige Ernährungsweise alles liefert, was Freizeitsportlerinnen und -sportler brauchen. Wer sich nach Gutdünken eine vermeintliche Extraportion Nährstoffe verabreicht, läuft Gefahr, bestimmte Substanzen überzudosieren. Das Motto: „Es ist zwar teuer, aber es schadet ja auch nicht“ gilt nicht in jedem Fall.

Vitamine und Co.

Unser Körper braucht Vitamine, Mineralien, Enzyme und Eiweiß, um gesund und leistungsfähig zu sein. Allerdings hat die industrielle Landwirtschaft dazu geführt, dass Obst und Gemüse heute deutlich weniger Nährstoffe als noch vor wenigen Jahrzehnten enthalten. Hinzu kommt, dass wir uns längst nicht immer optimal ernähren.

Wem es nicht möglich ist, sich über eine vollwertige Ernährung mit allen lebenswichtigen Vitalstoffen zu versorgen, kann die Ernährung durchaus mit entsprechenden Ergänzungspräparaten verbessern. Um Überdosierungen zu vermeiden, sollte vorher jedoch unbedingt Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ernährungsberatung gehalten werden. Ein Zuviel an beispielsweise Vitamin C, Kalzium oder Magnesium kann dem Körper durchaus schaden.

Carnitin und Co.

Ob Nahrungsergänzungsmittel auch die sportliche Leistung fördern, ist umstritten. In die kritische Diskussion geraten sind vor allem zwei Substanzen: „Carnitin“ und „Kreatin“. Beide Stoffe werden vom Körper selbst gebildet, weshalb es schnell zu einer Überdosierung kommen kann.

Von Carnitin heißt es, dass es als Zusatzpräparat eingenommen den Fettstoffwechsel der Muskeln beschleunigen könne, weshalb es auch als „Fatburner“ populär geworden ist. Einen wissenschaftlichen Nachweis für diesen Effekt gibt es jedoch nicht. Wer sich mehr als ein Gramm Carnitin pro Tag zuführt, riskiert vielmehr Übelkeit und Durchfälle.

Auch bei Präparaten mit den Wirkstoffen Taurin, BCAA, ß-HMB, MCT oder CLA fehlen bislang seriöse Belege dafür, dass sie die sportliche Leistungsfähigkeit in einer vertretbaren Art und Weise fördern.

Die Verbindung Kreatin wird bisweilen bei wiederkehrenden kurzen und starken Belastungen eingesetzt. Ein Zuviel an Kreatin führt jedoch zu Wassereinlagerungen in den Muskeln und zu einem erhöhten Verletzungsrisiko. Die Einnahme über einen langen Zeitraum kann zudem die Nieren schädigen.

Auch Coffein zählt zu den so genannten ernährungsbezogenen Leistungsförderern. Coffein regt an und kann in einer Dosis von 50 bis 200 mg die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit erhöhen. (Eine Tasse Kaffee enthält 60 bis 120 mg Coffein).

Verunreinigungen

Bei manchen Nahrungsergänzungsmitteln besteht aufgrund von Verunreinigungen bei der Herstellung die Gefahr, dass sie mit anabol-androgenen Steroiden belastet sind. Daher kann mit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ein unfreiwilliges Dopingrisiko verbunden sein. Wer Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, das Dopingrisiko jedoch weitgehend ausschließen will, sollte möglichst auf als Medikamente registrierte oder zugelassene Präparate zurückgreifen. Sie enthalten die gleichen Inhaltstoffe wie die herkömmlichen Nahrungsergänzungsmittel, werden jedoch als Arzneimittel eingestuft und unterliegen daher strengeren Qualitätskontrollen.

Schnell wurde klar, dass hier ein besonderer Informationsbedarf besteht. Denn die positiven Befunde waren weniger auf vorsätzliche Medikamenteneinnahme zur Leistungssteigerung zurück zu führen, als vielmehr auf die unbedachte Anwendung vom Arzt verschriebener Medikamente, ohne vorher eine medizinische Ausnahmegenehmigung eingeholt zu haben. Den Freizeit- und Wettkampfsportlern war dies schlichtweg nicht bewusst.

Sehr schnell haben die Senioren selbst reagiert und eine Interessengemeinschaft „proMASTERs“ gegründet, die sich diesem Problem besonders annahm. Sie brachte die Vaterstetter Erklärung heraus, mit deren Unterschrift sich die Athleten gegen jede Form der Leistungsmanipulation und für einen sauberen Seniorensport aussprechen. Inzwischen haben mehr als 1000 Athleten aus 28 Nationen diese Erklärung unterzeichnet. Weiterhin betreibt proMASTERs eine eigene Internetseite und informiert dort regelmäßig über Neuerungen und Änderungen und hat speziell einen Beratungsdienst eingerichtet. Von großem Nutzen ist der in sechs Sprachen angebotene Service „FINDEX“. Dieser gibt Auskunft über verbotene Wirkstoffe in gebrauchsüblichen Medikamenten. Darüber hinaus hat die Initiative den sogenannten Arno-Euro eingeführt (benannt nach dessen „Erfinder“ Arno Hamaekers). Dieser Euro ist eine Sonderabgabe zusätzlich zur Meldegebühr, die ausschließlich zur Finanzierung von mehr Dopingkontrollen im Seniorensport verwendet wird.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat speziell für die Seniorensportler ein Anti-Doping-Handbuch herausgegeben, in dem die wichtigsten Grundlagen, Hinweise und Informationen zum Thema Doping, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel im Seniorensport niedergeschrieben sind. Regelmäßig gibt es im monatlichen Anti-Doping-Newsletter Informationen über Änderungen und aktuelle Hinweise sowie fortlaufend die Einreichungsfristen für TUE-Anträge für die aktuell bevorstehenden Wettkämpfe. Bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften betreibt der Deutsche Leichtathletik-Verband  einen eigens dafür eingerichteten Informationsstand (siehe Bild), der von fachkundigem Personal betreut wird. Die meisten Anfragen und Gespräche drehen sich hier um das Thema Medikation und medizinische Ausnahmegenehmigung. Diese Informationsmöglichkeit wird sehr gut angenommen. Desweiteren sollen die zahlreichen Dopingkontrollen bei den Deutschen und Internationalen Seniorenmeisterschaften nicht unerwähnt bleiben.

All diese Initiativen und Aktionen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, proMASTERS, aber auch der EVAA mit ihrem Präsidenten Dieter Massin an der Spitze sowie der Zeitschrift „Seniorenleichtathletik“ mit einer monatlichen Sonderseite und Beiträgen u.a. von Rechtsanwalt und ehemaligem Anti-Doping-Beauftragten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Rüdiger Nickel, zeigen Erfolg. Seit 2006 war kein Dopingfall mehr zu verzeichnen. Deutsche Seniorenleichtathleten stellen mit einem Anteil von 80% der TUE-Anträge die größte Gruppe. Das zeigt, dass die Athleten sensibilisiert wurden und bei Fragen direkt mit Ärzten, dem Deutschen Leichtathletik-Verband und der Nationalen Anti-Doping-Agentur Kontakt aufnehmen. Die ursprünglich bei vielen vorhandene Denkweise „mein Arzt hat mir das doch verschrieben“ ist gewichen und hat zu einer Neuorientierung im Umgang mit Medikamenten geführt. Eine sehr positive Entwicklung.

Erfahrungsbericht

Seit 50 Jahren im Verein

Früher Hockey – heute Tennis

»Kleine Zipperlein hatten wir hier natürlich alle«, sagt der 67-jährige Klaus Heyer über seine alte Gruppe beim Kölner Hockey- und Tennisclub. Hier hat er Jahrezehnte lang Feldhockey in der Mannschaft und nebenbei auch regelmäßig Tennis gespielt. »Aber irgendwann haben die Wehwehchen überhand genommen, und da mussten wir Ältesten uns entscheiden: Entweder richtig Hockey spielen oder gar nicht mehr.«

Mit 65 fiel dann die Entscheidung, und Klaus Heyer sowie einige seiner gleichaltrigen Mitstreiter beschlossen schweren Herzens, das Hockey aufzugeben und nur noch Tennis zu spielen.

Große Verbundenheit

Der ehemalige »Außendienstler« fing im Alter von sieben Jahren mit dem Hockey an. Ende der 40er Jahre noch beim BTHC in Braunschweig, ab dem Umzug der Familie nach Köln in den 50er Jahren dann beim KTHC. »Ich spiele seit mehr als 50 Jahren im selben Verein Hockey und Tennis

Die lange Verbundenheit geht darauf zurück, dass der Großteil der Hockeysenioren seit Jugendtagen zusammen gespielt hat. Wie viele seiner Mannschaftskollegen durchlief Klaus Heyer alle Jugendmannschaften des KTHC und spielte auch in der 1. Mannschaft. »So ab Mitte 30 sind wir dann kürzer getreten und haben angefangen, auch ein bisschen Tennis zu spielen. Aber weniger wettkampfmäßig, sondern just for fun.«

Im Laufe der Jahre stießen regelmäßig jüngere Senioren zur Gruppe, und so kam es, dass das Leistungsgefälle innerhalb der Mannschaft immer größer wurde. Mit Mitte Sechzig wurde es zunehmend beschwerlich, mit den Vierzig- und Fünfzigjährigen mithalten zu müssen. »Ich hätte gerne noch weiter Hockey gespielt«, sagt er. »Aber wenn du immer weniger gleichaltrige Mitspieler und Gegner findest, macht es irgendwann keinen Spaß mehr.«

Vor fünf Jahren lag der Altersschnitt der Gruppe noch bei rund 60 Jahren und war damit in ihrem Leistungsgefüge recht homogen. Damals waren eher die fehlenden gleichaltrigen Gegenspieler das Problem. »Im Umkreis gab und gibt kaum andere Mannschaften in unserem Alter, so dass wir nur noch selten gegen eingespielte Vereinsmannschaften, sondern meist gegen zusammengewürfelte Stadtmannschaften antreten mussten.«

Weniger Wettkampf, mehr Spaß

»Für mich war das gesellige Beisammensein immer wichtig«, sagt Klaus Heyer. Im Sommer wurde einmal pro Woche abends trainiert, im Winter gab es jeden Sonntagvormittag »Rum-Hockey«, was so viel bedeutet wie: »Wir spielten draußen, und in der Halbzeit stärkten wir uns mit Tee und einem guten Schuss Rum. Dann spielten wir noch ein bisschen, und danach saßen wir noch ein Weilchen gemütlich beisammen.«

Die Gemeinschaft sucht er immer noch: »Seit zwei Jahren spiele ich nun mit einer Handvoll anderer Ex-Hockeyspieler nur noch Tennis im Club. In unserer Gruppe spielt sogar ein 82-jähriger, aber der Altersschnitt liegt zwischen 65 und 70. Das passt besser, und wir haben viel Spaß – obwohl oder vielleicht sogar weil der Wettkampf in den Hintergrund getreten ist.«

Tennis spielt Klaus Heyer nun ein- bis zweimal pro Woche. Außerdem steigt er täglich für ein bis zwei Stunden auf sein Fahrrad, und auch zu Fuß ist er viel unterwegs. »Ich brauche das«, sagt er. »Sonst werde ich unruhig und fühle mich körperlich unwohl. Ich bin und bleibe körperlich aktiv. Und so soll’s auch bleiben.«

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